Tradition bei uns in der Lausitz Früher und Heute

„Die Hausschweinschlacht“

In früheren Zeiten war die alljährlich wiederkehrende Schweineschlacht bei vielen in der Lausitz lebenden Familien ein nicht wegzudenkendes Ereignis. Die Schlachtung von Hausschweinen ist eine Tradition bei uns in der Region, die bis tief in die Zeit des damaligen Schlesiens hineinreicht und welche bis heute noch gepflegt wird. Natürlich nicht mehr in der Anzahl wie zu Großmutters Zeiten, wo wirtschaftliche Gründe ihren Einfluss nahmen und die einzelnen Familien somit den Jahresbedarf an Wurst und Fleischwaren abdecken mussten. Aber man kann eigentlich sagen, dass der Beruf des traditionellen Fleischers durch die heimische Schlachtung unserer VorfahrenHausschlachtung anno 1979 entstanden ist. Die Schlachtezeit begann schon Anfang November und streckte sich über die gesamte Winterzeit bis weit ins neue Jahr hinein. Die Regel war allerdings, bis kurz vor Weihnachten sein Schwein oder Schweine geschlachtet zu haben. Als in vergangenen Zeiten viele eine eigene Bauernwirtschaft hatten, wurde die „Schlacht“ werktags durchgeführt. In den letzten 30 Jahren wurde aber überwiegend an den Wochenenden geschlachtet, da den meisten werktags einfach die Zeit fehlte. Durchschnittlich wurden in der Vergangenheit zwei Schweine pro Haushalt geschlachtet, welche auch größtenteils selbst gemästet wurden. Die daraus hergestellten Erzeugnisse reichten, wie schon erwähnt, für ein ganzes Jahr. Dazu wurden sie in speziell dafür vorgesehene Einmachgläser eingeweckt. Bei den Hausschlachtungen war die ganze Familie, oft auch Verwandte und Nachbarn, im Einsatz. Der sogenannte „Oberschlachter“ war aber dabei meistens kein gelernter Fleischer, sondern das Familienoberhaupt oder eben ein Mann aus der Verwandtschaft, welcher mit diesen Dingen am besten vertraut war. In den letzten fünf Jahrzehnten aber, wurde die Hausschlacht überwiegend von erfahrenen Fleischern aus der umliegenden Region durchgeführt. Die Vorbereitungen für eine Hausschlacht wurden schon am Vortag getroffen.
Hausschlachtung anno 1979Dazu gehörten das Schälen der Zwiebeln, das Einweichen der Semmeln, aber auch das Abdichten der „Schlachtmulder“ sowie die Herrichtung der Schlachträume, was der Schuppen des jeweiligen Bauerngehöfts oder, wenn schon vorhanden, die Waschküche war. Die Kinder freuten sich schon Wochen im Voraus, wenn sie erfuhren, dass dieses Ereignis stattfindet, weil es an diesem Tag neben der vielen Arbeit auch Trubel und Heiterkeit mit Freunden und Bekannten gab. Am langersehnten Tag war schon ganz früh am Morgen die gesamte Familie auf den Beinen. Das Wasser im Schlachtkessel wurde aufgeheizt und ein deftiges Frühstück für die bald eintreffenden Helfer zubereitet, aber auch der Schnaps und andere Getränke zurechtgestellt. Der Chef des ganzen Tages, der Fleischer, bevorzugte bei uns in der Region aber oft frisch gebackenen Kuchen Hausschlachtung anno 1979zum Frühstück, was eigentlich verständlich ist, denn Wurst und Fleisch gab es für ihn den ganzen langen Tag über. Schließlich mussten die Erzeugnisse ja genau die Geschmacksrichtung treffen, die seine „Visitenkarte“ waren und ständige Geschmacksproben sind natürlich aus diesem Grund erforderlich gewesen. Mit dem Tagesanbruch ...

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